Zukunft braucht Erinnerung

Zukunft braucht Erinnerung

Menschenkette für die in der NS-Zeit ermordeten Würzburger Juden

 

Mit einer Gedenkfeier am Oberen Mainkai und einer „Menschenkette mit Abstand“ ist am Freitagmittag, 27. November, an die Deportation Würzburger Juden vor 79 Jahren erinnert worden. Dabei wurden 200 Menschen in die Nähe von Riga (Lettland) gebracht und dort erschossen, nur einige wenige überlebten. Rund 150 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt neun Würzburger Schulen und deren Lehrkräfte nahmen an der Veranstaltung der Gemeinschaft Sant’Egidio teil. Von der Pestalozzi-Schule war die Klasse 9P vertreten, die Klasse 9a hatte im Unterricht ein Plakat zum Thema: Toleranz und friedliches Zusammenleben gestaltet. Ein Sprecher der veranstaltenden Organisation „Jugend für den Frieden“ sagte bei der Menschenkette: „Wir sind davon überzeugt, dass wir wachsam sein müssen. Dort, wo Menschen in Schwierigkeiten sind oder diskriminiert oder isoliert werden, müssen wir handeln“.

„Sie sind die junge Generation. Sie werden das zukünftige demokratische Deutschland aufbauen. Und Sie müssen sich an die schwierigen Seiten der deutschen Geschichte erinnern, um deren Wiederholung zu verhindern“, sagte Marat Gerchikov, stellvertretender Vorsitzender der israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken. Lea Shif sprach als jugendliche Vertreterin der israelitischen Kultusgemeinde. Sie sagte, dass vor 79 Jahren hunderte Menschen durch Würzburgs Straßen gelaufen seien, um diese Stadt unfreiwillig für immer zu verlassen. „Heute haben wir jungen Leute uns hier versammelt, um an die Zeit zu erinnern. Heute stehen wir hier zusammen. Ich sehe mit allen Bürgern unserer Stadt eine gemeinsame Zukunft.“

„Zukunft braucht Erinnerung“, hob Sophia Reiß, Schülersprecherin der Sankt-Ursula-Schule, hervor. „Wenn wir heute von hier weggehen, haben wir alle den Schlüssel für diese Zukunft in der Hand, um Türen zu öffnen und aufeinander zuzugehen.“ Sie lud alle Teilnehmer der Gedenkfeier ein, die an sie verteilten Blumen an Orten in der Stadt niederzulegen, an denen an die Jüdinnen und Juden erinnert wird, die getötet wurden. Als Beispiel nannte sie die Stolpersteine und den Denkort vor dem Hauptbahnhof, der die Koffer der Deportierten darstellen soll.

(Nach PoW und eigener Bericht H. Ulrich, P9)